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Wissenschaftliche Spezialbibliotheken
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"Die wissenschaftliche Spezialbibliothek ist eine Bibliothek, die einer
übergeordneten Institution angehört und die fachlich spezialisierte
Literaturversorgung der Mitarbeiter dieser Trägerinstitution zur Aufgabe
hat." [Fischer, siehe unten]
Vielfach wurde das Vorhandensein des spezialisierten Bestandes als alleiniges
Kriterium für eine Spezialbibliothek angegeben. Jedoch verfügen
sehr viele Bibliotheken über einen spezialisierten Bestand. Dieses
eine Merkmal reicht folglich noch nicht für die Zuordnung zum
Bibliothekstypus "Wissenschaftliche Spezialbibliothek" aus.
Das ausschlagende Merkmal einer "originären" wissenschaftlichen
Spezialbibliothek ist die Zugehörgikeit zu einer übergeordneten
Trägerinstitution. Eine starke Serviceorientierung gegenüber
den Angehörigen der Trägereinrichtung kennzeichnet die Arbeit
in diesem Bibliothekstypus. Externe Besucher, die nicht der Trägerorganisation
angehören, dürfen eine Spezialbibliothek oft nur eingeschränkt
oder gar nicht nutzen.
Die "originären" Spezialbibliotheken verfügen meistens nur
über einen kleinen, dafür aber hochaktuellen und spezialisierten
Buchbestand. Ein großer Teil der Literatur, die sie nach der Zielsetzung
ihrer Trägerinstitution und den Wünschen ihrer Kunden beschaffen,
erscheint nicht im Buchhandel. Das sind z. B. Reports, Normen, Patente,
Kongreßschriften, Ausstellungskataloge, Amtsdruckschriften und Karten,
die häufig aufwendig ermittelt und beschafft werden müssen. Spezialbibliothekare
katalogisieren und erschließen - sowohl formal als auch sachlich
- selbständig und unselbständig erschienen Dokumente und Medien
jeder Art und jeder Quelle, z. B. Zeitschriftenaufsätze, Tagungsbeiträge
oder elektronische Dokumente.
Bezeichnungen wie "Informationszentrum" oder "Informationsabteilung",
die in vielen Unternehmen gängig sind, bringen zum Ausdruck, dass
Spezialbibliotheken die Schwelle von der Literaturversorgung zur Informationsvermittlung
überschreiten.
Lesen Sie eine ausführliche Einführung über wissenschaftliche
Spezialbibliotheken in:
Wissenschaftliche Spezialbibliotheken
Auszug aus der Diplomarbeit "Präsentation der Arbeitsgemeinschaft
Hannoverscher Behördenbibliotheken im Internet",
von Barbara Fischer und Silvia Huhn, Fachhochschule Hannover, Fachbereich
Informations- und Kommunikationswesen.
Auch die spezialbibliothekarischen Arbeitsgemeinschaften orientieren
sich an dieser Klassifizierung, die sich durchgesetzt hat und bis heute
von der Fachliteratur beibehalten wird.
Diese Aufteilung ist historisch gewachsen und deshalb sehr heterogen,
da die Klassifizierung zum Teil nach der Trägerorganisation, aber
auch nach dem Fachgebiet, das die Spezialbibliothek betreut, vorgenommen
wurde. So sehen die Gruppen, deren Namen sich an einem Fachgebiet orientieren,
auch alle anderen Nicht-Spezialbibliotheken als Kooperations- und Ansprechpartner
an.
Eine neue, homogene Klassifizierung lässt sich schwer entwickeln,
wäre aber für eine bessere Übersichtlichkeit und Verständlichkeit
erwünscht. Zwei Beispiele, um die Schwierigkeiten der Schaffung einer
neuen Aufteilung zu verdeutlichen: eine Spezialbibliothek eines pharmazeutischen
Unternehmens würde sich nicht als Firmenbibliothek (Ordnung nach Trägereinrichtung)
verstehen, sondern als medizinische Bibliothek.
Eine Behördenbibliothek hingegen lässt sich nicht ohne
weiteres als rein juristische oder verwaltungswissenschaftliche Bibliothek
(Ordnung nach Fachgebiet der Sammlung) klassifizieren, da sie - je nach
Aufgabe ihrer Behörde - auch auf andere Fachgebiete spezialisiert
ist.
In den meisten Fällen erfolgt also die Ausrichtung der Spezialbibliotheken
entweder verstärkt an dem Fachgebiet ihres Bestandes oder nach dem
Typus ihrer Institution, je nach dem, welches Merkmal die tägliche
Arbeit in der Bibliothek dominiert.
Beide Faktoren sollten jedoch in dem Selbstverständnis
einer Spezialbibliothek zum Ausdruck kommen, und die Spezialbibliothekare
sollten die Möglichkeit wahrnehmen, sich in beiden Richtungen zu engagieren
(z. B. durch die Mitarbeit in spezialbibliothekarischen Arbeitsgemeinschaften
oder durch die Gründung entsprechender spezialbibliothekarischer Arbeitskreise).
Eine konsequente Zugehörigkeit und Zuordnung der Spezialbibliothekare
zu beiden Merkmalen, nämlich zu dem Fachgebiet des Bestandes
und dem Trägertypus, würde das Verständnis für
die Organisation und die Struktur der Spezialbibliotheken - besonders für
Nicht-Bibliothekare - vereinfachen.
Informieren Sie sich über die bereits bestehenden Möglichkeiten
der Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches in unserem Angebot
"Spezialbibliothekarische
Zusammenschlüsse".
Da bisher noch nicht viele spezialbibliothekarische Zusammenschlüsse
existieren, die ihre Ausrichtung nach dem Trägertyp gewählt haben,
wurde für dieses Angebot (vorläufig) eine einheitliche Klassifizierung
nach Fachgebieten gestaltet.
Eine besondere Gruppe von Spezialbibliotheken sind die "One-Person Libraries"
(OPL), also Bibliotheken mir nur einem hauptamtlichen Bibliothekar. Die
OPLs machen den größten Anteil aller Spezialbibliotheken (nämlich
42 Prozent) aus. Ihre Bedeutung ist in den letzten Jahren stärker
in das Bewußtsein der Fachöffentlichkeit getreten. Das ist der
Grund, ein eigenes Angebot für die One-Person
Librarians in Forum Spezialbibliothek zu gestalten.
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