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Geschichte

OPLs heute und in der Zukunft
von Heike Jecht

Definition von OPLs
Eine One-Person Library wird definiert als eine Bibliothek, die im überwiegenden Maße von einer Person fachlich und professionell geleitet und betreut wird. In der Regel wird diese Aufgabe durch diplomierte Bibliothekare oder andere Informationsspezialisten (z. B. diplomierte Dokumentare oder Informationsfachwirte) wahrgenommen. Aber auch andere Fachwissenschaftler oder Verwaltungsangestellte ohne bibliothekarische Qualifikation nehmen ebenfalls häufig die Position eines One-Person Librarians wahr. One-Person Libraries gibt es in allen Bereichen der Bibliothekslandschaft, besonders hoch ist ihr Anteil allerdings innerhalb der wissenschaftlichen Spezialbibliotheken.

Aufgaben einer OPL
Die allgemeine Aufgabe einer OPL ist es, ihren Nutzern, also den Beschäftigten der Trägerinstitution, Informationsdienstleistungen anzubieten, damit diese ihre Arbeit erfüllen können. Der One-Person Librarian muß sich also zuerst über den Informationsbedarf seiner Nutzer klarwerden, um dann geeignete Beratungs- und Informationsdienstleistungen entwickeln und anbieten zu können.

Der One-Person Librarian muß die Trägerinstitution gut kennen und wissen, welches ihr genauer Auftrag, wie ihre Organisationsstruktur und vor allem wie ihre Informationspolitik gestaltet ist. Der Bibliothekar sollte aber auch wissen, wie der genaue Auftrag dieser OPL seitens der Leitungsebene der Trägerorganisation definiert wird. Wenn der Auftrag der Bibliothek von der Trägerinstitution nicht klar definiert ist, ist eine genaue Forumulierung der Aufgaben und Ziele (z. B. in Form eines Leitbildes) ebenfalls die Aufgabe des One-Person Librarians.

Der One-Person Librarian muß ständig überprüfen, wie er die Nutzer am besten ansprechen kann (z. B. eventuell durch "Marketing by walking around", d. h. die Nutzer an ihren Arbeitsplätzen aufsuchen, um etwas über ihre Informationsbedürfnisse zu erfahren) und wie er die Informationsversorgung am besten gewährleisten kann. So ist es wichtig, daß der OPL-Bibliothekar von der Trägerinstitution auch als der professionelle Informationsspezialist innerhalb der Einrichtung anerkannt wird.

Zwischen der Leitungsebene der Organisation und dem Bibliothekar sollte stets Übereinstimmung herrschen, was die Ziele und Aufgaben der Bibliothek betrifft. Die Arbeit in einer OPL ist unter anderem gekennzeichnet durch eine hohe Eigenverantwortung und zugleich durch eine große Isolation ("Robinson-Crusoe- Syndrom"), in der gearbeitet werden muß. Erfahrungsaustausch mit Kollegen kann nicht täglich, sondern nur auf Fortbildungen, in Arbeitskreisen und mit Hilfe von Diskussionslisten stattfinden.

An dem Arbeitsplatz direkt gibt es keinen bibliothekarisch fachkundigen Kollegen, mit dem man sich absprechen oder den man um Rat fragen kann. Mit der Arbeit als One-Person Librarian ist verbunden, daß bei Krankheit oder Fortbildung die Arbeit liegenbleibt und später (oft in Überstunden) nachgeholt werden muß. In Abwesentheit des Bibliothekars haben die Nutzer der Bibliothek keinen fachlich qualifizierten Ansprechpartner, an den sie sich bei einem dringendem Informationsproblem wenden können.

Ein weiteres Merkmal der Arbeit in einer OPL ist, daß von ihren Kunden die größtmögliche Nutzbarkeit der Bibliothek vorausgesetzt wird. Dies kann jedoch vom Bibliothekar nur eingeschränkt geboten werden, da die Öffnungszeiten der Bibliothek zu 100 Prozent mit der Dienstzeit des Bibliothekars bzw. der Bibliothekarin übereinstimmen. Diese Tatsache führt noch zusätzlich zu der fachlichen und zu der personellen Isolation des Bibliothekars.

Die Abwesenheit des Bibliothekars durch Fortbildung oder Urlaub führt zu einer geschlossenen Bibliothek und somit zur Unzufriedenheit der Benutzer. In einigen Trägerorganisationen werden jedoch verschiedene Lösungsansätze für die Zugänglichkeit der Kunden zur Bibliothek geboten; so erhalten z. B. in vielen wissenschaftlichen Forschungsinstituten  die Mitarbeiter den Schlüssel zur Bibliothek.

Vorteil der Arbeit in einer OPL ist, daß der Bibliothekar die Arbeitsabläufe und -organisation weitgehend eigenverantwortlich gestalten kann. Die Arbeit ist vielseitig und abwechslungsreich und bietet zahlreiche Kontakte zu den Mitarbeitern bzw. Mitgliedern der Trägerorganisation.

Arbeitsgemeinschaften und -verbände für OPLs
Ein großes Manko ist, daß die Arbeit, die von dem One-Person Librarian erbracht wird, sowohl von den Benutzern der Spezialbibliotheken als auch von der Bibliothekswelt, also den Großbibliotheken, den bibliothekarischen Berufsverbänden, den bibliothekarischen Gremien usw. tendenziell unterschätzt wird.

Denn es ist immer noch so, daß man auch Kleinbibliotheken mit den Großbibliotheken und ihren Leistungen vergleicht. Dabei arbeiten Bibliothekare einer OPL in enger Beziehung zu ihrem Bestand, zu ihrer Trägerinstitution und zu ihren Nutzern; selten müssen sie auf starre Arbeitsabläufe oder Strukturen Rücksicht nehmen.

Die Arbeitsabläufe und Dienstleistungen von OPLs ähneln sich stark, unabhängig davon, ob es sich nun um eine Behörden-, Museums- oder Krankenhausbibliothek handelt. Es besteht daher unter den Bibliothekaren von OPLs der Wunsch, die Kommunikation untereinander zu verbessern. Die einzige Anlaufstelle für One-Person Librarians ist zur Zeit die Kommission für One Person Librarians des BIB.

Außer der Anlaufstelle "One-Person Libraries in der Arbeitsgemeinschaft der Kunst- und Museumsbibliotheken" bieten die spezialbibliothekarischen Arbeitsgemeinschaften keine speziellen Ansprechpartner für OPLs.

Zur Zeit gibt es Überlegungen, ob man nicht eine Dachorganisation für alle OPLs ins Leben rufen sollte. Die Vorteile einer solchen Dachorganisation für OPLs wäre, daß sich die Kommunikation der OPL-Bibliothekare - sei es nun mit anderen One-Person Librarians oder mit der anderen Bibliothekslandschaft - enorm verbessern würde. Durch die Zusammenführung Gleichgesinnter könnte die Isolation der One-Person Librarians durchbrochen werden.

Verbessern würde sich auch die Stellung von OPLs innerhalb des Berufsstandes. Ebenfalls könnte eine solche Arbeitsgemeinschaft Einfluß nehmen auf die Aus- und Fortbildungsstätten, denn für die Bedürfnisse für One-Person Librarians gibt es nicht gerade viele Weiter- und Fortbildungsangebote. Auch könnte eine Organisation den Aufbau von Netzwerken, Verbundkatalogen oder kooperativen virtuellen Auskunftsstellen von Spezialbibliotheken der verschiedenen Fachgebiete initiieren.

Durch die Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft oder eines Verbandes würde sich nicht nur die Situation für OPLs insgesamt in der Informationslandschaft verbessern, auch die OPL wäre in ihrer Trägerinstitution gestärkt, da der One-Person Librarian selbstbewußter auftreten könnte. Ein Forum für Gleichgesinnte kann das Gefühl der Isolation merklich verringern, und der One-Person Librarian könnte auf die Aktivitäten einer eigenen Arbeitsgemeinschaft verweisen.

Ausbildung
Es existieren kaum spezifische bibliothekarische Ausbildungsangebote für OPL-Bibliothekare. Dabei wäre dies dringend vonnöten, denn die normale bibliothekarische Ausbildung bereitet kaum auf das Management in einer OPL vor. Die Schlüsselqualifikationen wie Managementkompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Selbst- und Zeitmanagement, Benutzerforschung usw. werden häufig nur unzureichend vermittelt. Diese sind jedoch erlern- und trainierbar und sollten verstärkt Niederschlag in den Lehrplänen und Veranstaltungen finden. Eine Ergänzung oder eine Schwerpunktwahl "OPLs" im Rahmen der bibliothekarischen Ausbildung wären sinnvoll.

Durch das Internet und andere zunehmende Netzaktivitäten werden die OPLs immer mehr in Erscheinung treten und an Bedeutung gewinnen. In den USA wird teilweise die Meinung vertreten, daß die OPL die häufigste und daher die wichtigste Bibliotheksform der Zukunft sein wird, da immer mehr Behörden, Institutionen und Unternehmen dazu über gehen, einen hochspezialisierten Informationsspezialisten einzustellen, der in Eigenverantwortung das Informationsmanagement für das gesamte Haus übernimmt. Das bisherige Berufsbild "Bibliothekar" als Verwalter eines Buchbestandes wandelt sich im immer stärkeren Maße in das Berufsbild eines Vermittlers von Informationsdiensten und -produkten.
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