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Die Bibliothek des Kirchenamtes der EKD

von Anja Meier-Biermann

Bibliothek Kirchenamt der EKD
Herrenhäuser Str. 12
D-30419 Hannover

Telefon: 0049 511 2796 375
Fax: 0049 511 2796 373
E-Mail: Anja.Meier-Biermann@ekd.de
Internetadresse: http://www.ekd.de

Träger der Bibliothek
Das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland ist die Trägerinstitution der Bibliothek, die als kirchliche Spezialbibliothek und Behördenbibliothek einzuordnen ist.
In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat die Gemeinschaft von 24 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen ihre institutionelle Gestalt gefunden. Aufgabe der EKD ist es, sich um die Festigung und Vertiefung der Gemeinschaft zwischen den Gliedkirchen zu bemühen, diesen bei der Erfüllung ihres Dienstes zu helfen und den Austausch der Mittel und Kräfte zu fördern. Die EKD soll dahingehend wirken, daß in wesentlichen Fragen des kirchlichen Lebens und Handelns nach übereinstimmenden Grundsätzen verfahren wird.

Die Verwaltungsarbeit der EKD erfolgt im Kirchenamt, das seinen zentralen Sitz in Hannover hat. Das Kirchenamt gliedert sich in die drei Hauptabteilungen I: Recht und Verwaltung, II: Theologie und Öffentliche Verantwortung, III: Ökumene und Auslandsarbeit.

(Auszüge aus: "EKD: Leitungsgremien und Verwaltung. Hannover, 1997") Die Bibliothek des Kirchenamtes ist der Hauptabteilung I (Recht und Verwaltung) zugehörig und innerhalb dieser in die Abteilung "Personal, Verwaltungsorganisation" einzugliedern.



Geschichte der Trägerinstitution und der Bibliothek
Der aus der Reformation der mittelalterlichen Kirche hervorgegangene Protestantismus litt in Deutschland von anfang an unter seiner territorialen und konfessionellen Zersplitterung. Eine organisatorische Zusammenfassung der evangelischen Territorialkirchen gab es zunächst nicht. Der erste Versuch eines größeren Zusammenschlusses führte 1848 in Wittenberg zum Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die "Geburtsstunde" der EKD liegt also in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1852 folgte die Gründung der Eisenacher Konferenz deutscher evangelischer Kirchenregierungen. Als 1918 mit dem politischen Wandel das landesherrliche Kirchenregiment und damit die Verbindung von Thron und Altar zu Ende ging, gaben sich die Landeskirchen auf der Basis der Trennung von Staat und Kirche eigenständige Verfassungen. Der Wunsch nach einem engeren Zusammenschluß führte 1922 zur Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes. Im Zuge der Machtübernahme des Nationalsozialismus wurde aus ihm 1933 die Deutsche Evangelische Kirche (DEK). Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus bildeten die Theologische Erklärung von Barmen (1934) und das Stuttgarter Schuldbekenntnis von 1945 die Voraussetzung für eine Neuordnung der evangelischen Kirche. Nach langwierigen Verhandlungen schlossen sich im Sommer 1948 in Eisenach die damals 13 lutherischen, zwei reformierten und zwölf unierten Landeskirchen in beiden Teilen Deutschlands sowie die Evangelische Kirche der Union zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammen. 1969 wurde die organisatorische Einheit durch die "Ordnung des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK)", durch die sich die Kirchen in der DDR von der EKD lösten, zunächst wieder gelöst. BEK und EKD haben jedoch auch in den Jahren der organisatorischen Trennung ihre besondere geistliche Gemeinschaft bewahrt.

Im Februar 1991 haben die Synoden der EKD und des BEK in formal getrennten Abstimmungen die rechtlichen Voraussetzungen für eine organisatorische Neuvereinigung geschaffen. So wurde es möglich, daß die vom 28. bis 30. Juni 1991 in Coburg konstituierte EKD-Synode bereits wieder das Organ aller 24 Landeskirchen war, denen rund 28 Millionen evangelische Christen in Deutschland angehören.

(Auszüge aus: "Die Evangelische Kirche in Deutschland : eine Information. Hannover,1989", "EKD: ihre neue Gestalt. Hannover, 1993" und "EKD: Leitungsgremien und Verwaltung. Hannover, 1997")

Die Bibliothek des Kirchenamtes der EKD wurde 1946 gegründet und konnte von dieser Historie kaum profitieren. Die Literaturbestände der Vorgängerinstitutionen wie DEK wurden nur zu einem kleinen Teil übernommen, da sie in Kriegszeiten auf verschiedene Bibliotheken und Einrichtungen in ganz Deutschland verteilt worden waren. Die Bibliothek des Kirchenamtes ist demnach eine junge Einrichtung mit einem Bestand von ca. 35.000 Medieneinheiten. Sie sieht ihre Zukunft daher auch nicht als Leihbibliothek, sondern als Informations- und Medienzentrum des Kirchenamtes.



Nutzer der Bibliothek
Primäre Aufgabe der Bibliothek ist die Versorgung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kirchenamtes mit Literatur und Informationen. Die Serviceleistungen werden auch zunehmend von den Instituten und Einrichtungen der EKD, die im gesamten Bundesgebiet verstreut sind, angenommen.
Darüber hinaus steht die Bibliothek auch externen Benutzern, Behörden oder Bibliotheken zu Verfügung. Medieneinheiten werden an Externe jedoch nur entliehen, wenn die Ausleihe die dienstlichen Belange des Kirchenamtes nicht beeinträchtigt. Da jedoch alle weiteren Serviceangebote auch den externen Nutzern zur Verfügung stehen, hat die Bibliothek einen Stamm von Fremdnutzern, die den Service von Fernleihbestellungen über den Deutschen Leihverkehr, Innerkirchlichen Leihverkehr oder über Subito, CD-ROM oder Internet-Recherchen gern in Anspruch nehmen.

Personal / Etat
Die Bibliothek ist mit einer Dipl.-Bibl. Stelle und einer Bibliotheksassistentenstelle (Teilzeit) ausgestattet. 2002 wurde eine weitere halbe Dipl.-Bibl.-Stelle (befristet bis 2005) zur Retrospektiven Katalogisierung der Bibliotheksbestände der Gemeinsamen Arbeitsstelle für Gottesdienstliche Fragen geschaffen.

Für Monographien, Zeitschriften, Zeitungen, Gesetzblätter und Fernleihausgaben steht ein Etat von ca. 50.000,00 EUR zur Verfügung.



Arbeitsvorgänge

Diplom-Bibliothekarin:
- Literaturerwerbung/Bestandaufbau
Literaturauswahl anhand von Verlagsprospekten, Zeitschriften, VLB etc, bibliographische Ermittlungen, Vorakzession, Auswahl Beschaffungsweg, Bestellung, Verhandlungen mit Buchhandlungen, Verlagen

- Literaturerschließung
Sachkatalogisierung
Schlagwortvergabe nach RSWK, Aufbau und Pflege des Schlagwortkatalogs
Systematik
Ausbau, Änderung der Systematik
Ausbau und Pflege des Systematischen Katalogs
Vergabe von Notationen bzw. Systemstellen
Katalogisierung nach RAK/WB (Programm BIS-LOK) 

- EDV-Organisation
Verwaltung von 3 - 4 PC-Arbeitsplätzen
Anpassung des Bibliotheksverwaltungsprogrammes
Auswahl und Verwaltung des CD-ROM- und Datenbank-Angebotes
Pflege des Internet-Zuganges 

- Informationsvermittlung / Öffentlichkeitsarbeit
Erstellung des Informationsdienstes und der Neuerwerbungsliste, Vertrieb an externe Institutionen, Auskunftstätigkeit ( national, international)
Sachrecherchen, Erstellung von Literaturlisten zu speziellen Themen
Durchführung von Fernleihen
Benutzerschulung in Katalog-, Internet-, CD-ROM- und Datenbankrecherchen

- Haushaltssachbearbeitung
Anmeldung der Haushaltsmittel
Verwaltung der verschiedenen Haushaltsstellen

- Leitungsaufgaben
Bibliotheksmanagement (Planung, Prüfung, Ausarbeitung und Durchführung neuer Bibliothekskonzepte) EDV-Organisation (Planung, Prüfung, Ausarbeitung und Durchführung neuer EDV-Konzepte) Mitgliedschaften in AGs, Projektgruppen, bibl. Verbänden Beratung weiterer Bibliotheken, die dem Kirchenamt der EKD angeschlossen sind.



Bibliotheksassistentin:

- Verwaltung von Zeitschriften und Fortsetzungen (Verwaltungsprogramm ZLVB)
- Zeitschriftenumläufe
- Zusammenstellung der Zeitschriften für den Buchbinder
- Teilnahme Benutzungsdienst (auch CD-ROM- , Internet- und Datenbankrecherchen)
- Ausleihe
- allgemeine Bibliotheksarbeiten (Buchpflege, Materialbeschaffung, Signaturherstellung, etc.)
- Rechnungsbearbeitung

Einsatz von EDV
Seit 1993 wird EDV in der Bibliothek des Kirchenamtes eingesetzt. Zunächst erfolgte die Erwerbung und Katalogisierung mit dem Bibliotheksverwaltungsprogramm BIS-LOK am Einzelplatz.
2003 erfolgte der Umstieg auf das Bibliotheksverwaltungsprogramm Bibliotheca 2000 der Firma BOND. Genutzt werden die Module Erwerbung, Katalogisierung und der WWW-OPAC. Unsere Zeitschriften werden weiterhin mit dem Zeitschriftenverwaltungsprogramm ZLVB des IZN verwaltet.



Projekte
- Retrospektive Katalogisierung der Bibliotheksbestände der Gemeinsamen Arbeitstselle für Gottesdienstliche Fragen
- Retrospektive Katalogisierung der Bibliotheksbestände des Referates Kirche und Sport
- Retrospektive Katalogisierung der Bibliotheksbestände des Ostkirchenausschusses
- Retrospektive Katalogisierung der Bibliotheksbestände des Kirchlichen Außenamtes

Folgende Projekte sind in Planung:
- retrospektive Katalogisierung der eigenen Bestände (Eingänge 1946-1992)
- Förderung der Zusammenarbeit mit dem Presse- und Öffentlichkeitsreferat und den Dokumentationseinrichtungen des Kirchenamtes mit dem Ziel einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit
- Internetauftritt der Bibliothek

Öffentlichkeitsarbeit
- Viermal pro Jahr wird der Informationsdienst und die Neuerwerbungsliste erstellt und vertrieben. Hierbei werden nicht nur sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kirchenamtes sondern auch die Institutionen und Einrichtungen der EKD und andere Bibliotheken beliefert.
- Neueingestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten eine Einführung in die Bibliotheksbenutzung
- Im Jahr 2003 ist die Präsentation im Internet mit eigenen Seiten geplant

Marketingstrategien, Sponsoring
Die Bibliothek des Kirchenamtes versucht seit einiger Zeit in Eigeninitiative, Verlage und Institutionen als Sponsoren zu gewinnen. Auf diese Weise erhält die Bibliothek kostenlose Belegexemplare oder Probeabonnements mit der Auflage, für diese Publikationen innerhalb des Kirchenamtes zu werben.
Eine Bibliothekskommission (Bibliothekslobby oder "Friends of the library") konnte bislang nicht gebildet werden.



Vor- und Nachteile als One-Person Librarian
Vorteile
- selbständiges Arbeiten und ein hohes Maß an Verantwortung
- schnelle und optimale Identifikation mit der Bibliothek und der eigenen Arbeit
- abwechselungsreiche Tätigkeit
Nachteile
- eine fehlende Lobby bedingt Schwierigkeiten, Projekte und Ideen durchzusetzen
- Zeitverschwendung durch Routinearbeiten, die wichtige organisatorische Arbeiten oder Öffentlichkeitsarbeit verzögern oder gar verhindern
- keine interne Absprachemöglichkeit bei Fachfragen
Aus diesen Gründen ist die Mitgliedschaft in Bibliotheksverbänden und der Austausch über Mailinglisten enorm wichtig.
Die Bibliothek des Kirchenamtes ist Mitglied in der APBB, dem VkwB in der AABevK und in der AG Hannoverscher Behördenbibliotheken. Über die Mailinglisten Inetbib, Opl und Rabe werden Fachfragen mit Kolleginnen und Kollegen erörtert, so daß der große Nachteil "Einsamkeit" abgeschwächt werden konnte.



Archive, Informations- und Dokumentationseinrichtungen der Trägerinstitution
Das Evangelische Zentralarchiv der EKD mit Sitz in Berlin ist für die Archivierung sämtlicher Akten zuständig und führt eine eigene Bibliothek. Es findet ein unregelmäßiger Informationsaustausch statt.
Die Dokumentationseinrichtung des Kirchenamtes der EKD hat ihren Sitz ebenfalls in Berlin und übernimmt die Auswertung von Synodalprotokollen, Amtsblättern und Jahrbüchern der EKD und der Gliedkirchen. Hier wurden erste Kontakte durch Auskünfte bzw. durch Vermittlung von Benutzern geknüpft. Die Teilnahme am Arbeitskreis kirchlicher Dokumentationseinrichtungen wurde im Juli 1999 beantragt.
Im Rahmen der bevorstehenden Bibliothekspräsentation im Internet wird die Bibliothek versuchen, eine Zusammenarbeit von Presse- und Publizistikreferat, Buchversand und Dokumentationseinrichtungen anhand gemeinsamer Angebote und gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit zu erreichen.

Praktikanten
Für die retrospektive Katalogisierung der Bibliotheksbestände des Ostkirchenausschusses und zur Mitarbeit im Bibliotheksalltag (Informationsvermittlung, Ausleihe, Zeitschriften etc.) wurden seit 2000 zwei Praktikantinnen der FH Hannover beschäftigt.
Durch die positiven Erfahrungen sind wir auch weiterhin an einer Zusammenarbeit mit der FH Hannover, Fachbereich IK, interessiert.


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