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Die Bodenseebibliothek in Friedrichshafen

von Regina Fleischmann

„Oh, Sie sind aber schwer zu finden!“ – Derartige Ausrufe hört man häufig von keuchenden Kunden die sich von den Treppen zum dritten Stock im Max-Grünbeck-Haus nicht haben abschrecken lassen.
Die Bodenseebibliothek ist in den Räumen des Stadtarchivs Friedrichshafens beheimatet, dem sie auch institutionell angegliedert ist. Somit besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen die in Personalunion vom Stadtarchivar geführt werden. Für die Bibliothek selber und die Archivbibliothek ist ganztags eine Diplom-Bibliothekarin zuständig. Weiterhin ist die Verwaltungskraft des Archivs mit 50% ihrer Arbeitszeit der Bibliothek zugeordnet. Auszubildende der Stadt und der Stadtbücherei sind ebenfalls für einige Zeit bei uns. Praktikanten sind natürlich herzlich willkommen: in den letzten eineinhalb Jahren gab es in der Bibliothek häufige Personalwechsel, deshalb mussten leider viele Bibliothekspraktikanten abgelehnt werden da keine fachliche Betreuung gewährleistet werden konnte. Mittlerweile hat sich die Situation jedoch wieder entspannt.
1868 wurde die Bibliothek vom Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung gegründet, um den Mitgliedern als Grundlage für ihre Forschungen zu dienen. Der Verein sieht seine Aufgabe in der Förderung der historischen und naturwissenschaftlichen Erforschung des Bodensees und seiner Umgebung. Deswegen umfasst der Sammelauftrag für die Bodenseebibliothek auch die in Österreich und Schweiz an den Bodensee angrenzenden Gebiete. Der Verein selber ist sehr aktiv, jährlich finden viele Treffen und Exkursionen in den gesamten Bodenseeraum statt.
(Weitere Informationen zum Verein unter www.ub.uni-konstanz.de/vgbodensee)

Seit ihrer Gründung befindet sich die Bibliothek – abgesehen von der Zeit der Auslagerung in Hohenems und Bregenz während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit – in Friedrichshafen. Nach wechselnden Standorten ist sie seit 1986 im Max-Grünbeck-Haus untergebracht, zusammen mit Stadtarchiv, Stadtbücherei und VHS. Die räumliche Situation ist äußerst angespannt, sowohl Archiv als auch Bodenseebibliothek haben keine Möglichkeit zur räumlichen Ausdehnung. Erleichterung wird nur durch immer neue „Notlösungen“ und Auslagerung von Beständen geschafft, auch hier sind die Kapazitäten jedoch erschöpft. Ein für das Jahr 2003 anvisierter Umbau – ermöglicht durch den Auszug der VHS in ein neues Gebäude – wurde durch den Einzug einer Schule unmöglich gemacht und ist aufgrund der Haushaltslage der Stadt wieder in weite Ferne gerückt.

Der Bestand umfasst ca. 31000 Medieneinheiten, bestehend aus Monografien, Zeitschriften, Karten und audiovisuelle Medien. Daneben werden fast 800 Periodika gehalten, teilweise über Abonnement, teilweise im Schriftentausch mit den Tauschpartnern des Vereins. Alle anderen Medien werden im Kauf oder als Geschenk über Buchhandel, Antiquariate, Institutionen oder Privatpersonen erworben. Für den Ankauf grundlegender Literatur stehen der Bodenseebibliothek noch ausreichend Mittel zur Verfügung, allerdings muss man bei wertvollerer und seltener Literatur Abstriche machen – eine „ vollständige Sammlung aller bodenseerelevanter Literatur“ bleibt Utopie.
Die Kunden der Bodenseebibliothek finden im Bestand alle Literaturarten: Reiseliteratur, Belletristik, Bildbände, wissenschaftliche Abhandlungen etc. Besonders wichtig ist auch die „Graue Literatur“ sowie Vereins- und Jubiläumsschriften. Ebenso existiert eine Sammlung neuerer topographischer und naturwissenschaftlicher Karten.

Den Grundstock der Bibliothek bildet der Altbestand des Vereins. 1971 wurde dieser als Dauerleihgabe der Stadt Friedrichshafen übergeben. Der Bestand geht zeitlich bis ins 15. Jahrhundert zurück: die älteste Handschrift ist ein Gebetbuch aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, das älteste gedruckte Buch eine venezianische Inkunabel aus dem Jahr 1480. Auch unter den Zeitschriften sind einige Rara zu finden. Des Weiteren ist eine Atlantensammlung mit einigen seltenen und sehr wertvollen Stücken vorhanden, z.B. der Atlas Novum Terrarum orbis imperia von Johann B. Homann aus dem Jahr 1735. Seit vielen Jahren werden Bände mit großen Schäden restauriert um den Altbestand auch nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dazu leistet auch der Verein einen finanziellen Beitrag.

Erschlossen wird der Bestand bis zum Erwerbungsjahr 1989 durch einen Zettelkatalog und ab 1990 im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund. Die Periodikabestände sind in der Zeitschriftendatenbank abrufbar.
Im Rahmen eines Regio-Bodensee-Projektes erhielt die Bodenseebibliothek zusammen mit anderen Bibliotheken aus dem Bodenseeraum Fördermittel der Internationalen Bodenseekonferenz zur retrospektiven Katalogisierung regiorelevanter Literatur.
Damit sind nun ca. 70 % des Bestandes im SWB recherchierbar. Ab dem nächsten Jahr wird in der Bibliothek die Bibliotheksverwaltungssoftware Bibdia eingesetzt. Diese Software wird auch von der Stadtbücherei verwendet so dass der Bestand der Bodenseebibliothek und der Stadtbücherei in einem gemeinsamen Katalog suchbar werden.
Die Aufstellung des Bestandes erfolgt freihand nach Numerus Currens - für die Kunden häufig kaum zu durchschauen, so dass eine intensive Benutzerbetreuung nötig ist. Dies wirkt vor allem auf die Kunden abschreckend, die mal „zum Gucken“ gekommen sind.... Eine systematische Aufstellung ist bereits seit Jahren geplant, konnte durch den Platzmangel jedoch bisher nicht realisiert werden.

Grundsätzlich ist der Bestand der Bodenseebibliothek ausleihbar, ausgenommen sind lediglich Quellenwerke, Lexika sowie Titel mit Erscheinungsjahr vor 1900.

Kunden der Bodenseebibliothek sind Schüler, Studenten, Historiker, Journalisten, interessierte Einwohner der Region etc. Durch die räumliche Verbindung mit dem Stadtarchiv wird auch häufig Literatur der Bodenseebibliothek zur Beantwortung von Benutzeranfragen herangezogen.
Anfragen erreichen uns durch persönlichen Besuch, per Telefon, Fax und verstärkt per E-mail und über Fernleihe (die Bodenseebibliothek ist dem aktiven Leihverkehr angeschlossen und kann häufig als Alleinbesitzer weiterhelfen). Inhaltlich reicht das Spektrum der Fragen von Tiefe und Breite des Bodensees über Industrialisierung in Friedrichshafen und Hexenverfolgung bis hin zu Vulkanen im Hegau, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Natürlich versuchen wir die Anfragen so vollständig wie möglich zu beantworten, z.B. mit Literaturhinweisen und –listen, Buchempfehlungen etc.. Unersetzliches Hilfsmittel neben den Katalogen ist dabei das Internet.

Wie bereits anfangs angedeutet – die Bodenseebibliothek ist leider bei weitem nicht so bekannt und genutzt wie sie bei ihrem Potential sein könnte und sollte. Es wurden bereits viele Anstrengungen unternommen um eine breitere Öffentlichkeit auf die Bibliothek aufmerksam zu machen:
Regelmäßig erscheinen Artikel in den Tageszeitungen in denen der Bestand der Bibliothek vorgestellt wird. Zur Zeit läuft eine Artikelserie über verschiedene Bestandsgruppen: Jubiläums- und Vereinsschriften, Familienchroniken und Romane aus dem Bodenseeraum. Damit soll gezeigt werden dass die Bodenseebibliothek durchaus auch über einen modernen und aktuellen Bestand verfügt. Dies wurde in den letzten Jahren zu wenig herausgestellt.
Verstärkt wird auch die Homepage der Stadt für Nachrichten aus der Bodenseebibliothek genutzt. Ideal wäre eine eigene Homepage für die Bodenseebibliothek, für die Erstellung waren jedoch bisher keine personellen Ressourcen vorhanden.

Des Weiteren werden regelmäßig kleinere Ausstellungen in den Räumen der Bibliothek gezeigt und eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen Institutionen der Stadt angestrebt. Durch die gemeinsame Bibliotheksverwaltungssoftware erhoffen wir uns auch eine größere Resonanz bei den Bibliothekskunden der Stadtbücherei und eine verstärkte Nutzung.

Der größte Nachteil an der Arbeit in der Bodenseebibliothek ist sicherlich die räumliche Enge und damit verbundene Unattraktivität der Bibliothek. Durch eine andere Präsentation und systematische Aufstellung könnte sich die Bibliothek zu einem echten Werbeträger für die Stadt entwickeln, mit der auch eine verstärkte Nutzung verbunden wäre. Ebenso ist der Standort der Bibliothek äußerst ungünstig: die Bibliothek ist am Rande der Innenstadt im 3. Stock eines Gebäudes aus den 70er Jahren untergebracht. Auch die Symbiose mit dem Stadtarchiv ist nicht immer unproblematisch: in einigen Bereichen ergänzen sich beide Einrichtungen, andererseits wird die Bodenseebibliothek häufig nur als „Anhängsel“ des Stadtarchivs dargestellt und wahrgenommen was ihrer Bedeutung nicht gerecht wird. Das Arbeitsgebiet ist allerdings äußerst vielseitig und die häufig kniffligen Kundenanfragen stellen einen immer wieder vor neue Herausforderungen. Und wenn man noch dazu positive Rückmeldungen bekommt („Das Ihr hier so tolle Sachen habt hätte ich gar nicht gedacht...“) motiviert das für die weitere Arbeit...

Kontakt und Infos:
Adresse: Bodenseebibliothek, Katharinenstr. 55 , 88045 Friedrichshafen
Telefon: 07541 / 209 153
Fax: 07541 / 209 190
E-Mail: bodenseebibliothek@friedrichshafen.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 8.00 bis 12.00
Montag bis Mittwoch 13.30 bis 16.00
Donnerstag 13.30 bis 18.00
Freitags geschlossen

im Internet: www.friedrichshafen.de (Rubrik „Wissen & Bildung“)


Bestandsnachweise:

Verbundkatalog SWB

Regionalkatalog - Enthält die (Teil-)Bestände von 13 Bibliotheken des nördlichen und westlichen Bodenseeraums

Bodenseedatenbank - Bibliographische Datenbank zu Themen, Orten und Personen des Bodenseeraums)

Die Bibliothekarin der Bodenseebibliothek:
Regina Fleischmann, Abschluß als Diplom-Bibliothekarin (ÖB) 2001 an der HBI (jetzt HDM) Stuttgart. Von Februar 2001 bis Ende Januar 2003 Leiterin der Bücherei im Alten Schulhaus in Boll, Landkreis Göppingen. Seit Februar 2003 in der Bodenseebibliothek beschäftigt.

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