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| Bibliothek der Staatlichen Galerie Moritzburg, Halle |
von Monika Müller
Die Bibliothek der Staatlichen Galerie Moritzburg
Halle, Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt, ist eine
wissenschaftliche Spezialbibliothek, die seit dem 1. Juli
1999 den Status einer Präsenzbibliothek hat. Sie wird
als One-Person Library (OPL) geführt. Sie ist innerhalb
der Einrichtung dem wissenschaftlichen Bereich
zugeordnet. Das Museum selbst ist eine Landeseinrichtung,
die dem Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt bzw.
dem Regierungspräsidium Halle nachgeordnet ist.
Mit der Eröffnung des Städtischen Museums für Kunst
und Kunstgewerbe in Halle am 29. März 1885 beginnt auch
die Geschichte der Bibliothek. So war es von Anfang an
Aufgabe und Verpflichtung der Museumsdirektoren bzw.
späteren Bearbeitern der schnell wachsenden Sammlungen
der Gemälde, Grafiken, Plastiken und des Kunsthandwerks
auch gleich die entsprechende Literatur mit anzukaufen.
Wurden Kunstwerke dem Museum geschenkt, so wurde auch die
Literatur dazu geschenkt oder vereinzelt nachgekauft. Von Beginn an
wurden die Bücher in einem gesonderten Raum verwahrt,
jedoch ohne sie bibliothekarisch zu bearbeiten. Erst in
der Mitte der 60er Jahre dieses Jahrhunderts wurde eine
Mitarbeiterin des Museums nur zur Bearbeitung des Buch- und
Katalogbestandes eingesetzt. In dieser Zeit begann auch
da Museum vermehrt eigene Publikationen herzustellen, die
dann mit den Publikationen anderer Museen getauscht
wurden. Infolge zahlreicher Ausleihvorgänge von international
bedeutenden Kunstwerken aus dem Museumsbesitz wurden
schon in frühen Jahren Schriften mit Museen der ganzen
Welt (bes. aber Europa) getauscht. Kurze Zeit später
bekam die Bibliothek erstmals einen kleinen Fonds zum
Ankauf von Literatur, vorwiegend für aktuelle
Buchandelsveröffentlichungen. Im Jahre 1978 wurde nach
Ausscheiden der Museumsmitarbeiterin zum ersten Mal eine
Bibliothekarin eingestellt. Damit wurde dann gesichert,
dass der wertvolle Buchbestand bibliothekarisch erfasst
und in verschiedenen Katalogen nachweisbar ist, obwohl
noch immer große Lücken bei der Aufarbeitung der
Altbestände vorhanden sind.
Die Geschichte der Numismatischen Bibliothek (Umfang: ca.
10.000 Bände) im Landesmünzkabinett, die von der
Bibliothek der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle mit
betreut wir, ist analog der Geschichte der
Kunstbibliothek. Im Jahre 1997 wurd von der Sammlung
Fotografi die Bibliothek des Fotokinoverlages Leipzig
aufgekauft und damit die Fachbibliothek (Umfang: ca.
5.000 Bände) begründet. Der Gesamtumfang des
Bibliotheksbestandes einschließlich der Teilbibliotheken
und der Dienstplatzliteratur beträgt z. Z. rund 45.000
Bände.
(Anm.: Genauere Angaben können leider nicht gemacht
werden, da Angaben zur Bibliotheksgeschichte nicht im
Hause gefunden wurden. Es wurde vor einigen Jahren ein
größeres Konvolut von Akten an das Stadtarchiv gegeben,
welches aber dort noch nicht vollständig zugänglich ist. Die hier
getroffenen Aussagen beziehen ich auf die im Museum
befindlichen Zugangsbücher, die in frühen Jahren sowohl
Kunstgegenstände als auch Bücher verzeichneten, und auf
überlieferte Informationen langjähriger Mitarbeiter)
Die Nutzer der Bibliothek sind in erster Linie die
Mitarbeiter des Hauses (Wissenschaftler, Restauratoren,
Museumspädagogen, technischer Mitarbeiter,
Verwaltungsangestellte). Darüber hinaus wird die
Bibliothek von externen Wissenschaftlern, Mitarbeitern
anderer Museen, Studenten, Schülern, Journalisten,
Sammlern und interessierten Laien genutzt.
Die Bibliothek ist eine OPL, die aber seit 1997 von einer
ABM-Kraft (zur Aufarbeitung der Altbestände)
unterstützt wird.
Die Bibliothek arbeitet noch ohne elektronische
Datenverarbeitung. Alle Bearbeitungsvorgänge werden an
der Schreibmaschine erledigt. Die Karteikarten für die
verschiedenen Kataloge (Alphabetischer Katalog,
Biografischer Katalog, Ortsverzeichnis,
Schlagwort-/Stichwortkatalog einschließlich
Zeitschriftenverzeichnis) werden am Kopierer
vervielfältigt, an der Schreibmaschine verschlagwortet
und dann eingestellt.
Die Verantwortung über die Bibliotheksordnung, die
Bibliothekssystematik, den Schriftentausch und die
Erwerbungen werden von einer Bibliothekskommission
mitgetragen.
Als sehr positiv wird die Vielfältigkeit der Arbeiten in
einer OPL geschätzt, die große Nähe zum Bestand der
Bibliothek, zum Museum mit seinen Aufgaben und Zielen und
zu den Benutzern. Der Verschiedenartigkeit der
Informationsbedürfnisse Rechnung zu tragen, ist eine
tägliche Herausforderung. Es wird ein hohes Maß an
Verantwortungsbewusstsein gefordert, eine große
Selbständigkeit und Flexibilität sowie die souveräne
Handhabung aller anfallenden bibliothekarischen
Tätigkeiten (von Erwerbung über Katalogisierung,
Formal- und Sacherschließung, Benutzerberatung,
Informationsversorgung, EDV-Einsatz und dessen
Weiterentwicklung, Literaturrecherche, Buchbinder und
Bestandserhaltung).Problematisch ist die Vielfalt der
anfallenden Tätigkeiten insofern, dass im Museum keine
Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch besteht (da man ja
allein arbeitet) und die Arbeitsabläufe möglichst alle
gleichzeitig zu erledigen wären. So ist es fast
unmöglich, das berechtigte Fortbildungsinteresse, den
Bedarf an Erfahrungsaustausch mit Fachkollegen mit der
Präsenzpflicht vor Ort zu verbinden. Die Arbeit in einer
OPL endet nie und es ist immer mehr vorhanden, als man
schaffen kann. Die Grundarbeiten (Suchen, Beschaffen,
Sammeln, Sichern, Bearbeiten und zur Verfügung stellen)
können vollendet werden. Ebenso können die
(Erwerbungs-, Informations-, Ausleih-)Wünsche nie
vollständig befriedigt werden. Dadurch ist stets ein
Rest des Unbefriedigt-Seins, ein schlechtes Gewissen
vorhanden.
Die Bibliothek unterstützt die wissenschaftliche Arbeit
des Museums mit Literaturzusammenstellungen und
Bibliographien. Diese Angebote stellen wir auf Anfrage
auch externen Nutzern kostenlos zur Verfügung.
Die Staatliche Galerie Moritzburg Halle besitzt kein
eigenständiges Archiv, keine
Informationsvermittlungsstelle oder
Dokumentationsabteilung (die letzte Funktion wird
teilweise von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
wahrgenommen).
In der Bibliothek wurden schon Praktikanten betreut. Es
besteht auch weiterhin ein starkes Interesse an der
Ausbildung von Jugendlichen. Es wurde jedoch
festgestellt, dass die Praktikanten lieber in
Bibliotheken arbeiten wollen, in denen schon die Zukunft
eingezogen ist, als in einer Bibliothek, die sehr
herkömmlich geführt wird.
Das Leitbild für die Bibliothek ist ein zufriedener
Nutzer. Nur er ist das Maß der täglichen Arbeit. Jede
gewünschte Information muss so schnell und so kompetent
wie irgend möglich den Nutzer erreichen.
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