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Die Bibliothek des Stadtarchivs Nürnberg

von Walter Gebhardt

Wer sich im folgenden einen Streifzug durch bibliophile Glanzstücke aus Nürnbergs bedeutender Tradition als Druck- und Verlagsstadt erhofft, muß enttäuscht werden. Die vorzustellende Bibliothek gründet ihren Wert eher profan im wissenschaftlichen Gebrauchswert ihrer Spezialsammlung.

Aufbau aus Trümmern
Der 2. Januar 1945 war der schwärzeste Tag in Nürnbergs Geschichte. Ein knapp einstündiger Fliegerangriff entfachte einen Flächenbrand, der nahezu die ganze Altstadt mitsamt ihren Baudenkmälern vernichtete. In Schutt und Asche fiel auch das Pellerhaus, das als Deutschlands repräsentativstes Bürgerhaus galt.

Hier residierte das Stadtarchiv, das an diesem Tag etwa 1/3 seiner Bestände verlor, darunter seine Dienstbibliothek.[i] In der damaligen Schadensbilanz darf sie bedenkenlos als unbedeutender Restposten angeführt werden. Sie bestand ursprünglich nur aus historischen Spezialwerken, da das Stadtarchiv ab 1883 zusammen mit der Stadtbibliothek in einem Gebäude untergebracht war. 1931, als das Archiv in ein eigenes Amtsgebäude zog, verfügte die Bibliothek gerade über 960 Bände, überwiegend aus den Bereichen Archivwesen, geschichtliche Hilfswissenschaften und Geschichte.[ii] Bis 1944 wuchs der Umfang auf etwa 3 000 Bände. Der Bestand war durch einen Verfasser- und einen mit  25 000 Karten überraschend umfangreichen Schlagwortkatalog erschlossen. Zum Raub der Flammen wurde auch die Sammlung von Zeitungsausschnitten zur Geschichte Nürnbergs und Frankens.[iii] Erhalten blieb dagegen der ausgelagerte Bestand historischer Quelleneditionen wie die „Monumenta Germaniae historica“ und die „Regesta imperii“.
Dass die Bibliothek am Ende dieses Schicksalsjahres bereits wieder über etwa 2 000 Bände verfügte, muß als einmaliger Glücksfall gewertet werden. Der 1944 verstorbene Friedrich Frhr. von Haller hatte sein Vermögen, seine Norica-Sammlung sowie seine Privatbibliothek der Stadt Nürnberg vermacht.[iv] Den Grundstock dafür hatte von Haller 1911 für 65 000 Mark von Guido von Volckamer, ebenfalls einem alten Nürnberger Patriziergeschlecht entstammend, erworben.[v] Dem Stadtarchiv fiel damit eine Bibliothek zu, die den ihr vorgegebenen Schwerpunkt „Nürnberg“ wesentlich umfangreicher abdecken konnte als ihre Vorgängerin. Für das 19. und beginnende 20. Jahrhundert umfasst die „Haller-Volckamer-Sammlung“ das einschlägige Schrifttum weitgehend vollständig, aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind immerhin noch die wesentlicheren Werke zur Nürnberger Geschichte enthalten.  Besonders wertvolle Stücke oder gar Inkunabeln sprengten aber offenbar die finanziellen Möglichkeiten der privaten Sammler.
Wer sich die heutigen Finanzprobleme der öffentlichen Hand vor Augen hält, mag kaum gauben, daß bereits 1946 eine Bibliotheksinspektorenstelle bewilligt wurde. Damit war zunächst ein fachmännischer Neuaufbau gewährleistet.  Der Raumnot gehorchend wurde die platzsparende mechanische Magazinaufstellung nach „Numerus currens“ mit  eigener Zeitschriftensignaturengruppe gewählt; im heute etwa 1 000 Bände umfassenden Freihandbereich erfolgte Fachgruppenaufstellung.
1957 kehrte das Stadtarchiv gemeinsam mit der Stadtbibliothek und der Bibliothek der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in das im Stil der Zeit auf den erhaltenen Grundmauern wiederaufgebaute Pellerhaus zurück.
Die Vereinigung unter einem Dach bescherte der Archivbibliothek die Mitbenutzung des bibliographischen Apparats der „großen Schwestern“ und den hervorragenden Norica- und Franconica-Altbestand der Stadtbibliothek als Hintergrund zur täglichen Arbeit. Andererseits drängten sich seither drei raumausgreifende Institutionen in ein Gebäude, was ständig wachsende Raumnöte heraufbeschwor. Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen, das Platzproblem zu lösen, konnte das Stadtarchiv im April 2000 endlich in die dafür umgebaute und mit Kompaktregalen ausgestattete Norishalle, umziehen. Den Sichtbetonbau der sechziger Jahre unweit des Hauptbahnhofs teilt es sich mit der Naturhistorischen Gesellschaft. (Zugleich fand die Aufteilung der Archivflächen auf sieben Stellen in der Stadt ihr Ende.) Das Internet lässt heute zwar weitgehend den Verlust des in der Stadtbibliothek gebotenen bibliographischen „Backgrounds“ verschmerzen, kann aber nicht den dort vorhandenen Fundus zur Stadt- und Landesgeschichte ersetzen. Mindestens wöchentliche Dienstgänge zum alten Standort sind somit zur Regel geworden.



Fokus Nürnberg

Was aber wird nun seit gut einem halben Jahrhundert gesammelt? Der Schwerpunkt kann nur in der Funktion als stadtgeschichtliche Dokumentationsstelle liegen. Dabei läßt sich ein individueller Charakter der Spezialbibliothek in ihrem Umfeld herausarbeiten. Mit der angesprochenen orts- und landeskundlichen Abteilung der Stadtbibliothek ergeben sich zwangsläufig Überschneidungen. Während diese ihr Augenmerk besonders auf die Kunstgeschichte (Dürer), Belletristik, Mundartdichtung und die Nürnberger Verlagsproduktion legt, versucht die Archivbibliothek, den geschichtswissenschaftlichen Aspekt in möglichst großer Vollständigkeit abzudecken. Aufgenommen werden alle relevanten Schriften zu Nürnberg unabhängig von Umfang oder Erscheinungsform. Das bedeutet in erster Linie einen erheblichen Anteil an grauer Literatur wie Magister-, Diplom- und Facharbeiten, Gelegenheits- und Festschriften, Jahresberichten, aber auch rein privater Studien. Nürnberg betreffende Sonderdrucke werden soweit als möglich beschafft und monographisch bearbeitet, analog erfolgt die inhaltliche Erschließung von Zeitschriften und Sammelwerken. Besonders viel findet sich zur spätmittelalterlichen Blütezeit Nürnbergs mit ihren Handelsbeziehungen und der Reformation; für die neuere Zeit mögen die Industrialisierung und Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert und die mit dem Namen der Stadt bis heute verbundene Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus als Beispiele dienen.

Insgesamt dürfte etwa 1/3 des Gesamtbestandes auf rein nürnbergisches Schrifttum entfallen. In abnehmender Vollständigkeit wird landeskundlich jeweils mit dem Blickwinkel auf die Bedeutung für Nürnberg Literatur zu Mittelfranken, Franken, Bayern und darüber hinaus beschafft. Da die Bibliothek ihre Zuständigkeit vor allem für den wissenschaftlich arbeitenden Historiker sieht, sind weitere Schwerpunkte Vergleichende Städteforschung (besonders Reichsstadtgeschichte), die historischen Hilfswissenschaften (besonders Archivwesen) und Quellenpublikationen. Als zusätzlicher Bereich fungiert eine Zeitungsausschnittsammlung mit ca. 8 000 heimatkundlichen Artikeln meist aus den Jahren 1925-1965, die nur noch in Ausnahmefällen grundlegend bedeutsamer Artikel fortgeführt wird. Erschlossen ist sie mit einem eigenen Schlagwortkatalog, in dem sich nicht selten Literatur zu Personen und Themen findet, die sonst nirgends behandelt werden. Die regelmäßige Auswertung der lokalen Zeitungen obliegt heute dem Stadtchronisten.
Ohne diese Sondersammlungen hat die Bibliothek derzeit einen Umfang von 40 000 Bänden und 220 laufende Zeitschriften. Jährlich kommen etwa 900 Bände hinzu. Zu einem großen Teil handelt es sich dabei um Geschenke und Tauschsendungen sowie Belegexemplare aufgrund der Benutzung von Archivalien. Für den verbleibenden – wertmäßig bedeutenderen – Rest stehen pro Jahr etwa € 15 000.- Anschaffungsetat zur Verfügung. Weitere € 2 000.- sind für Buchbindearbeiten zu veranschlagen.
Die Buchauswahl wurde früher eher unsystematisch vom Direktor und den Archivaren vorgenommen, seit einigen Jahren liegt sie in den Händen des Bibliothekars. Als Grundlage dienen die wöchentlichen Hefte der Deutschen Nationalbibliographie aus der Stadtbibliothek, in deren Umlauf das Stadtarchiv freundlicherweise einbezogen ist. Daneben werden Verlagsprospekte, Fachbibliographien, die Rezensionsteile historischer Zeitschriften sowie Antiquariats- und Auktionskataloge ausgewertet (letztere auch auf Angebote von Archivalien hin).



Die Kataloge und der Abbruchunternehmer

Die fehlende sachliche Aufstellung des Bestandes macht die Benutzung von der Qualität der Kataloge abhängig. Gerade hier kam der Bibliothek die vom Neubeginn an gegebene Betreuung durch eine Fachkraft zugute. Alle Kataloge wurden zunächst handschriftlich geführt. In den sechziger Jahren ging man zur Schreibmaschine und Abzügen im Matrizenverfahren über, seit 1984 wurden die Karten am Kopierer vervielfältigt.
Die Titelaufnahmen für den Alphabetischen Katalog richteten sich zunächst nach der „Katalogisierungsordnung der Bayerischen Staatsbibliothek München“. Da nicht alle Stelleninhaber auf eine bibliothekarische Ausbildung zurückgreifen konnten und das Regelwerk nur unzureichend beherrschten, litt die Einheitlichkeit mit der Zeit. Deshalb und um nicht ein aussterbendes Regelwerk der grammatikalischen Wortfolge am Leben halten zu müssen, entschloss sich der Verfasser, den gesamten Katalog auf RAK-WB umzustellen (was er im Übrigen auch selbst am besten beherrschte). Diese entsagungsvolle Tätigkeit zog sich bei gut 50 000 Karten über einige Monate neben dem normalen Geschäftsgang hin. Das Ergebnis entspricht natürlich nur von der Ansetzung her den RAK, nicht aber von Form oder Anzahl der Eintragungen. Immer vorhanden ist die RAK-Haupteintragung, so dass ein darunter nicht gefundenes Werk sicher nicht vorhanden ist. Daneben wurde darauf geachtet, daß der Urheber Nürnberg immer eine eigene (notfalls zusätzlich kopierte) Karte erhielt.

Gab es für den AK zumindest ein Regelwerk, an das sich alle Bearbeiter grob hielten, stellt sich die Situation für den Schlagwortkatalog wesentlich uneinheitlicher dar. Klar ist, dass für einen Spezialbestand, in dem bei etwa einem Drittel das Hauptschlagwort „Nürnberg“ vergeben werden müßte, allgemeine Regeln nicht greifen können. Das „Erlanger Regelwerk“ bildete für die Begriffsbildung die Grundlage, der darin vorgesehene Vorrang des geographischen vor dem Sachschlagwort wurde jedoch umgekehrt. Nur allgemeine Literatur zu Nürnberg erhielt dieses Schlagwort, Einzelthemen wurden sachlich über das Alphabet mit dem entsprechenden Unterschlagwort verteilt. Leider wurden die Schlagwörter zunehmend nach Gutdünken ohne Rücksicht auf bisherige Einträge vergeben. In vielen Fällen handelte es sich eher um Stichwörter aus dem Titel, mal zog man engere, mal weitere Begriffe heran, manche vergaben sehr sparsam, andere exzessiv ... Um wieder einigermaßen gewährleisten zu können, daß ein Schlagwort tatsächlich alle zum Thema vorhandene Literatur nachweist, fand eine sich mehrere Jahre hinziehende Revision des Schlagwortkataloges statt. Dieses Unternehmen setzte sowohl gute inhaltliche Kenntnisse des Bestandes als auch des Schlagwortkatalogs voraus und war somit erst nach einigen Jahren Erfahrung sinnvoll machbar. In den meisten Fällen musste die Titelfassung zur Korrektur ausreichen, nur wo sie zu unpräzise erschien, wurden die Bücher in die Hand genommen oder mit Schlagwörtern aus den Verbund-OPACs abgeglichen.



Als internes Arbeitsinstrument existiert zusätzlich ein Standortkatalog.
1997 wurden alle Zettelkataloge abgebrochen; es begann die online-Katalogisierung mit Bib(liotheks)ver(waltung) von FAUST für Windows. Nach Prüfung einiger am Markt befindlicher Bibliothekssoftware fiel die Entscheidung auf FAUST vor allem im Hinblick auf den jahrelangen Umgang der Kollegen mit dem zugehörigen Archivprogramm. Die Umsetzung gründete sich auf die vorgegebenen Beispielmasken, die allerdings auf die Bedürfnisse der Archivbibliothek hin stark verändert wurden. Die Datenbank ermöglicht erfreulicherweise den Aufbau von systematischen Katalogen. So findet die für die Bibliothek immens wichtige sachliche Erschließung seither zweigleisig statt. Zum einen über die traditionelle Verschlagwortung. Ihre Terminologie orientiert sich an den bisher verwendeten Begriffen, allerdings sind die bisherigen Ketten in selbständige Schlagwörter gesplittet. In der Recherche lassen sich die Verbindungen wieder herstellen. Inhaltliche Zeiträume sind als numerische Felder definiert, sie erlauben die mathematische Suche. Zum anderen eröffnet sich dem Nutzer die Recherche in zwei getrennten Thesauri. Der allgemeine, nach dem Vorbild landesgeschichtlicher Bibliographien angelegte, Thesaurus gruppiert die nicht auf Nürnberg bezogene Literatur sachlich und geographisch ein; für Nürnberg betreffende Titel steht ein eigener sachlicher, auf die speziellen stadtgeschichtlichen Sujets abgestimmter Thesaurus in vier Hierarchiestufen zur Verfügung. Die Aufteilung in zwei selbst entwickelte und von der Titelanzahl in etwa ausgewogene Thesauri soll den Benutzerinteressen am besten gerecht werden. Im häufigsten Recherchefall, der Suche zu einem speziellen nürnbergischen Thema ist von vorneherein alles Übergreifende herausgefiltert. Dafür lässt sich der geographischen Abteilung des allgemeinen Thesaurus z.B. ersehen, über welche Orte Mittelfrankens Literatur vorgehalten wird. Z.Z. läuft die konkrete Planung für die Konversion der Zettelkataloge. Für den im Bayerischen Verbundkatalog nachgewiesenen Bibliotheksbestand, d.h. sicher weit über die Hälfte der vorhandenen Titel, beabsichtigen wir mit Zustimmung der Verbundzentrale als passiver Teilnehmer den Datenimport über eine Schnittstelle in unser Dateiformat. Die Erfassung der ca. 20 000 Aufnahmen sollen studentische Hilfskräfte vornehmen.

Die Retrokonversion ist ein um so dringlicheres Desiderat, als seit Mai 2003 der online-erfasste Bestand auch über die Homepage des Stadtarchivs Nürnberg recherchierbar ist (www.stadtarchiv.nuernberg.de/bibliothek.htm).



Info-Zentrum für alle

Die Bibliothek des Stadtarchivs kann nicht immer, aber auch nicht selten Material anbieten, das nur hier zu erhalten ist. Qua Amtes dient sie der Literaturversorgung der Archivmitarbeiter. So schöpft die Beantwortung schriftlicher Anfragen im wesentlichen aus den Bibliotheksbeständen und verweist auf die entsprechenden Quellen. Darüber hinaus steht sie der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit als Präsenzbibliothek zur Verfügung. Archivbenutzer werden im Allgemeinen zuerst in die Bibliothek geschickt. In vielen Fällen reichen die hier gelieferten Informationen aus. Außerdem dient dieses Verfahren der Vermeidung von überflüssiger Doppelarbeit mit bereits in der Literatur ausgewerteten Archivalien.
Einige Nürnberger dürfen als Stammgäste bezeichnet werden, das Gros der Außer-Haus-Benutzer erhält an Schule oder Universität ein Nürnberg-Thema zur Bearbeitung und kommt damit auf das Stadtarchiv zu. Interne und externe Benutzer sind ungefähr zu gleichen Teilen in der Statistik der ausgegebenen Bände vertreten. In den frühen Jahren betrug deren Zahl wenige Hundert, zu Anfang der achtziger Jahre lag sie bei 1 500, stieg dann kontinuierlich an und liegt derzeit bei etwa 3 000 Bänden. Nicht erfasst wird die Benutzung des Freihandbestandes.
Die Bibliothek ist nicht an die Fernleihe angeschlossen. Ausnahmefälle werden über die Stadtbibliothek Nürnberg abgewickelt.

Versteckte Bibliotheken

Außerhalb der Bibliothek verbergen sich in den Beständen des Stadtarchivs einige kleinere geschlossene Büchersammlungen, von denen stellvertretend drei kurz angesprochen werden sollen. Sie umfassen jeweils mehrere hundert Bände und werden als Dauerleihgaben verwahrt.

Die Tucher-Bibliothek als Bestandteil des umfangreichen Archivs der Familie von Tucher.[vi] Sie vereinigt zwei von der Familie gestiftete nachreformatorische Pfarrbibliotheken und die Bibliothek der Tucherischen Stiftungsverwaltung mit einigen alten Drucken zur Nürnberger Geschichte, besonders des Patriziats.
1982 wurde das Familienarchiv von Praun durch die aus dem Nachlass von Karl Maximilian von Praun stammende Norica-Bibliothek der Familienstiftung ergänzt.[vii] Sie enthält populärwissenschaftliche Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts und wird durch weitere Abgaben ausgebaut.
Arbeiterschaft, Sozialismus, Marxismus und Anarchismus sind die vorherrschenden Themen der politiktheoretisch ausgerichteten Bibliothek des SPD-Unterbezirks Nürnberg vor 1945.[viii]

 



Von Paris bis Budapest oder Die Bibliothek des Geschichtsvereins

Die abschließenden Zeilen mögen einer Bibliothek gelten, die auch sonst ein Randdasein fristet. 1878 beschloss der Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg gleichzeitig mit seiner Gründung die Einrichtung einer Vereinsbibliothek,die anfangs aus Geschenken der Mitglieder bestückt wurde. Mit Erscheinen des ersten Heftes der jährlichen „Mitteilungen“ 1879 begann der Schriftentausch mit ca. 150 Geschichtsvereinen.[ix] Gleichzeitig mit der räumlichen Trennung von der Stadtbibliothek im Jahr 1931 erfolgte die Übernahme der Vereinsbücherei durch das Stadtarchiv unter Eigentumsvorbehalt.[x] 1939 verzeichnete man bei über 200 Tauschpartnern gut 180 Zugänge und einen Gesamtbestand von ca. 3 000 Bänden.[xi] 1945 wurde die Bibliothek gemeinsam mit der des Stadtarchivs vernichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Tauschbeziehungen wieder aufgenommen, wobei die rückwärtige Ergänzung des verlorenen Bestandes nur in Ausnahmefällen möglich war. Die in einem eigenen Magazin untergebrachte Bibliothek verfügt auch über eigene Kataloge. Wie im Stadtarchiv sind dies Alphabetischer Katalog (unverändert nach MKO), Schlagwortkatalog und Standortkatalog. Neuaufnahmen sind selten, die reinen Zutragungen überwiegen. Auch diese Kataloge sind abgebrochen. Seit 2001 werden die Neuzugänge in einer eigenen Datenbank aufgenommen.
Die Vereinsbibliothek kauft nichts. Mit der Ausnahme von Geschenken ihrer Mitglieder entsteht so die auf den ersten Blick paradoxe Situation, daß die Bibliothek des Nürnberger Geschichtsvereins orts- und landesgeschichtliche Literatur Mitteleuropas in einem Gebiet zwischen Paris und Budapest bzw. Stockholm und Trient besitzt, kaum jedoch zu der die Mitglieder eigentlich interessierenden Stadt. Die heute gut 13 000 Bände mit einem monographischen Anteil von etwa 
1 000 sind allgemein zugänglich, werden aber entsprechend selten verlangt.

Der Text basiert auf einem Beitrag in Bibliotheksforum Bayern 25 (1997), S. 188-193. Für die hier vorliegende Fassung wurde er aktualisiert (Stand Mai 2003).
Kurz zu meiner Person: Ich habe – lange ist’s her – 1979/82 an der Bayerischen Beamtenfachhochschule in München die Ausbildung für den gehobenen Dienst an WB absolviert. Seit 1984 bin ich im Stadtarchiv Nürnberg, derzeit als Bibliotheksamtsrat.

Praktika: Das Stadtarchiv beschäftigt häufig Praktikanten, meist GeschichtsstudentInnen. Aber auch ein Praktikum speziell in der Bibliothek ist möglich.



Anschrift:          Stadtarchiv Nürnberg/Bibliothek

                        Marientorgraben 8

                        90402 Nürnberg

                        Tel. 0911/2312776 /-2771

                        e-mail: av@av.stadt.nuernberg.de



[i] Beyerstedt, Horst-Dieter/Herbert Schmitz: 125 Jahre Stadtarchiv Nürnberg. Nürnberg 1990, S. 18.

[ii] Schultheiß, Werner/Gerhard Hirschmann: Stadtarchiv Nürnberg 1865-1965. Nürnberg 1964, S. 81-82.

[iii] Schultheiß, Werner: Das Stadtarchiv und seine Bestände. (Stand: 1. April 1944). In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg (MVGN) 39 (1944), S. 253-258.

[iv] Diefenbacher, Michael: Die Friedrich Freiherr von Hallersche Forschungsstiftung. In: MVGN 82 (1995), S. 329-352.

[v] Pohl, Horst: Guido v. Volckamer und seine Sammlungen. In: MVGN 52 (1963/64), S. 554-559.

[vi] Stadtarchiv Nürnberg E 29/VII. Beschreibung und Katalog bei: Gebhardt, Walter: Erbauliches aus vier Jahrhunderten: Die Tucher-Bibliothek im Stadtarchiv Nürnberg. In: MVGN 82 (1995), S. 89-138.

[vii] Stadtarchiv Nürnberg E 28/II.

[viii] Stadtarchiv Nürnberg E 33/II.

[ix] MVGN 2 (1880), S II.

[x] Verwaltungsbericht der Stadt Nürnberg 1930/31, S. 304.

[xi] Jahresbericht des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 1939, S. 20.

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