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Besonderheiten von Bibliotheks-Homepages

von Heike Jecht und Irina Nehme

Mehr und mehr Bibliotheken haben den eben beschriebenen Sachverhalt inzwischen erkannt; fast alle großen wissenschaftlichen Bibliotheken (auch schon viele Spezialbibliotheken und öffentliche Bibliotheken) sind bereits im Netz präsent. Alle Einrichtungen, die eine Homepage und eine Webpräsentation anbieten wollen, müssen sich über die spezifischen Bedürfnisse der Besucher ihrer Darstellung im Netz klarwerden. Eine Bibliothek hat den Zweck, Informationen zu sammeln, zugänglich zu machen und zu beschaffen; dies muß sie natürlich auch im Netz tun. So hat die Homepage einer Bibliothek neben der üblichen Darstellung und Werbung (wie z. B. Adresse, Öffnungszeiten, Ansprechpartner, Träger und Geschichte der Bibliothek, usw.) folgende Aufgaben:

  • einen schnellen Zugriff für die Mitarbeiter des Hauses zu sinnvollen Arbeitsmitteln und Rechercheinstrumenten (wie VlB, Adressen- und Zeitschriftenverzeichnissen, etc.) bieten
  • eine Vorstellung der Bibliothek und ihre Dienstleistungen und eine Bedienungsanleitung zur Nutzung der Bibliothek bieten, um Interesse für die Bibliothek zu wecken und für ihre Benutzung werben (das Internet eignet sich also auch für diese Art von Benutzerschulung, so z. B. die Sparte "FAQ - Frequently asked questions")
  • Zugang zu ihrem Bestand ermöglichen, aber auch Hinweise und Verknüpfungen auf andere Bibliotheken und ihre Fachgebiet oder Bibliotheksverbünde (unter anderem OPAC oder regionale OPACs) geben
  • Informationsbeschaffung bieten durch Zugang zu Katalogen, Verzeichnissen, elektronischen Publikationen und Datenbanken (z. B. Karlsruher Virtueller Katalog)
  • Anleitung zum Einstieg und zur Bedienung dieses neuen Mediums Internet und seiner Vielzahl an - schwer zu durchschaubaren - Angeboten und Nutzungsmöglichkeiten bieten (gerade das müssen sie tun, um weiterhin als Allround-Informationsspezialisten ernstgenommen zu werden und um in der "veränderten Umwelt" überleben zu können); Bibliotheken sollten also 
  • Hilfe (auch Hilfe zur Selbsthilfe) zur erfolgreichen Informationssuche im Netz zu bieten (wie das Bibliotheken bei anderen Informationsmitteln ganz selbstverständlich tun)
  • Nutzern der Bibliothek oder Homepage durch direkte E-Mail-Verbindungen die Gelegenheit bieten, Kritik oder Lob zu der wirklichen Bibliothek, aber auch zu der Web-Präsentation zu geben; und vor allem um sie Fragen stellen zu lassen und diese auch zu beantworten; gerade dieser Punkt läßt die Bibliothek ihre anonyme Abgehobenheit verlieren; ein direkter Dialog "Verantwortlicher der Bibliothek - Nutzer" würde das Ansehen von Bibliotheken verbessern

Man kann also wie folgt zusammenfassen: die Homepage einer Bibliothek ist Visitenkarte und auch Auskunft zugleich. Die ganz allgemeinen Präsentationsformen einer Bibliothek im Internet können sein:

  • die Darstellung entsprechend dem realen Bibliotheksbau, also die Informationen der Homepage wie die wirkliche Bibliothek anordnen, also wenn man die verschiedenen Angebote einer Homepage dann "Katalog", "Auskunft" oder "Zeitschriftenlesesaal" nennt; diese Darstellungsweise bietet Nutzern, die die reale Bibliothek besuchen wollen, einen hohen Wiedererkennungswert (z. B. Goddard Space Flight Center)
  • die inhaltliche Gruppierung, d. h. die verschiedenen Angebote werden unabhängig von ihrer physikalischen Aufstellung in der Bibliothek dargeboten; sie sind thematisch geordnet, es ist egal, ob sie von der Bibliothek selbst existieren oder nicht, die Angebote heißen z. B. "Dokumentlieferdienste", "elektronische Zeitschriften", etc.; diese Art von Darstellung wird auch von den meisten Bibliotheken angewendet (z. B. TIB/UB Hannover)
  • der virtuelle Wegweiser; bei dieser Darstellungsweise kann der Nutzer einen Themenbereich angeben, dann werden ihm - unabhängig von der Verfügbarkeit in der Bibliothek - relevante Medien angeboten (z.B.Virtuelle Bibliothek Düsseldorf).

Eine gut gemachte Homepage und Webpräsentation kann zwar bis zu 10 000 DM kosten, aber die Einrichtung einer Homepage spart auch Geld, z. B. im Etat "Öffentlichkeitsarbeit", denn im Vergleich zu einer sonst üblichen Hochglanzbroschüre ist 10 000 DM sogar noch ausgesprochen günstig. Außerdem hebt eine Homepage das Ansehen einer modernen Bibliothek doch viel mehr als jede Imagebroschüre und bringt sogar noch Geld herein (z.B. durch Werbung für kostenpflichtige Angebote der Bibliothek, wie z.B. Dokumentlieferdienste oder anderes) und entlastet das Personal (z.B. durch "FAQ").

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